Streuobstwiesen

Blumen auf der Streuobstwiese, Foto: Volker Unterladstetter
Blumen auf der Streuobstwiese, Foto: Volker Unterladstetter

NABU-Streuobstwiese Worringen

„Fährwiese“ steuert auf artenreiche Gewässer zu

Eine städtische Obstwiese unter vielen war sie noch vor wenigen Jahren, die NABU-Streuobstwiese in KölnLangel, in unmittelbarer Nähe der Rheinfähre. Vier Reihen aus ungepflegten Hochstamm-Obstbäumen, in gleichen Abständen streng auf die Fläche gesetzt. Dazu zwei alte, durchwachsene Heckenstücke und eine vergraste Wiese: Das alles schlief am Rande des Ortsteils Langel seinen Dornröschenschlaf. Darum herum: intensiv bewirtschaftete Agrar-„Normallandschaft“, so weit das Auge reicht.
Zwei Jahre später ist die umliegende Landschaft noch immer traurige Normallandschaft, doch auf unserer Obstwiese hat sich inzwischen einiges getan! Über die Hälfte der zum Teil arg aus der Form geratenen Bäume wurde inzwischen erstmalig von NABU-Aktiven beschnitten, und die restlichen Bäume warten schon auf ihren Schnitttermin. Wer Kenntnisse im Obstbaumschnitt erwerben möchte, kann sich im Winter gerne an der Pflege der Bäume beteiligen. An der Längsseite der Fläche, zur Straße hin, haben wir im Winter 2017 Heckensträucher nachgepflanzt, um die Lücke zwischen den beiden Altheckenteilen mittelfristig zu schließen. Nicht alle haben den trocken-heißen Frühsommer im Pflanzjahr überstanden, aber die meisten Pflanzen schlagen sich tapfer. In Gedanken sehen wir bereits Weinrose (Rosa rubiginosa), Schneeball (Viburnum opulus) und Kornellkirsche (Cornus mas) in prächtiger Blüte stehen.
Und auch die Wiese ist aus ihrem Dornröschenschlaf geküsst worden. Wie sehr eine ständige Mulchmahd Grünland verarmen lässt konnte man zu Beginn eindrucksvoll erkennen. Außer einigen wenigen Grasarten fanden sich kaum mehr Blütenpflanzen auf der Fläche. Keine guten Voraussetzungen für ein artenreiches Biotop. Also beschlossen wir, auf einem Ansaatstreifen inmitten der Fläche die schmerzlich vermissten Wiesenpflanzen zurück auf die Fläche zu bringen. Es versteht sich von selbst, dass dabei nur gebietsheimisches zertifiziertes Saatgut zur Anwendung kam. Seit 2017 pflegt das NABU-Pflegeteam die Fläche nun selber, mäht zu den richtigen Zeiten und räumt das Mahdgut von der Fläche ab. Dadurch kann die Wiese zum ersten Mal wieder durchatmen – und zeigt prompt, was in ihr steckt. An vielen Stellen konnten sich bereits die ersten Wildpflanzen etablieren, so dass wir in den kommenden Jahren nach der frühjährlichen Obstblüte mit ebenso reichen Blühphasen im „unteren“ Stockwerk der Streuobstwiese rechnen können.
Und die Entwicklung ist noch lange nicht am Ende. Als nächstes werden wir Insektennisthilfen auf der Fläche errichten. Über Mitstreiter, die Lust an der ökologischen Entwicklung der NABU-Streuobstwiese haben, freuen wir uns jederzeit. Übrigens: Wir ernten im Herbst bei gemeinsamen Termin das Obst. Helfer sind auch hier immer willkommen – und dürfen sich ihren Anteil an der „Beute“ gern mit nach Hause nehmen.

Text: Volker Unterladstetter