Arbeitskreis Stadtnatur

Unsere Städte werden von Jahr zu Jahr wichtiger für den Erhalt der Artenvielfalt von Flora und Fauna. Doch trotz der vielen guten Beispiele für Naturräume in der Stadt, sind die Vorbehalte und Unsicherheiten noch erheblich. Wir wollen mit unserem neuen NABU-Arbeitskreis „Stadtnatur“ Ziele und Ideen entwickeln, wie wir dem entgegensteuern können. Zudem möchten wir an Beispielen aufzeigen, wie man auch im Kleinen Artenvielfalt in die Stadt holen kann, denn wir wollen weiterhin lebenswerte Städte mit vielfältigen Naturoasen haben. Dafür möchten wir mehr bunte Flächen schaffen, bestehende Grünflächen erhalten und aufwerten und mehr Vielfalt in die Städte bringen. Wenn Ihr Lust habt, daran teilzunehmen, dann meldet euch einfach.

Leiter des Arbeitskreises: Volker Unterladstetter und Birgit Röttering

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Wildblumen für St. Agnes – NABU legt Beete mit heimischen Pflanzen an

Acker-Rittersporn (Consolida regalis)
Acker-Rittersporn (Consolida regalis)

St. Agnes ist der soziale und architektonische Mittelpunkt des Agnesviertels. Weithin erhebt sich der Turm der zweitgrößten Kölner Kirche über die Nordstadt. Senkt sich der Blick jedoch von den neugotischen Bögen und Portalen ins Irdische zurück, fallen schnell die weitläufigen Beetbereiche auf, die sich an die Kirchenmauern anschließen: Zwar spenden die locker aufgepflanzten Linden im Sommer wohltuenden Schatten und hüllen die Kirche in ein grünes Kronendach, doch die Beete selbst zeigten sich bisher nicht gerade von einer einladenden Seite. Notdürftig vom Grünflächenamt gepflegt, herrschen nackter Boden und ein spärlicher Kräuterbewuchs vor, der zudem in der Sommertrockenheit regelmäßig abstirbt. Was ungepflegt aussieht, wird zudem auch von manchen Passanten nicht wertgeschätzt. Und so landet Müll in der Anlage, Hundekot wird nicht weggeräumt, und hin und wieder erleichtert sich ein Partygänger auf dem Heimweg an einer dunklen Stelle. Insgesamt nicht gerade eine Zierde für die schöne Kirche und ihre Gemeinde.

Nun braucht es manchmal nur die Verbindung von Idee und Aktion, um aus einer Not eine Tugend zu machen. Im letzten Jahr haben Aktive des NABU Köln damit begonnen, eine Beetpatenschaft in Mülheim zu übernehmen. Konsequent ökologisch und mit heimischen Pflanzen sollte gegärtnert werden, um anderen Stadtgärtnerinnen und –gärtnern Lust zu machen, es auch einmal zu versuchen. Aus der anfänglich lokalen Aktion wurde bald eine größere Projektidee, und wir hielten nach weiteren Flächen Ausschau, auf denen wir die Schönheit unserer heimischen Pflanzenwelt präsentieren konnten. Im März wurden wir dann mit den Beeten um die Agneskirche fündig und entwickelten zusammen mit der Kirchengemeinde den Plan, drei Bereiche rund um die Kirche mit Wildpflanzen zu bepflanzen und zu besäen. Das Projekt „Wildblumen für St. Agnes“ war geboren.

In den vergangenen Wochen wurde nun eifrig an den Beeten gearbeitet: Eine Gruppe Aktiver legte den Grundstein für einen Arbeitskreis Stadtnatur und begann mit der Gestaltung der Flächen. In einer ersten Aktion wurden die Flächen von Unkraut, Hundekot und Abfall befreit, und der verdichtete Boden gelockert. Ein Blick auf das vorhandene Erdreich hätte konventionelle Gärtner wohl ziemlich ernüchtert: steinig, mit Bauschuttresten durchsetzt, sandig und eher mager. Kein Substrat, in dem sich Gartenblumen wohlfühlen würden. Für die Bepflanzung, die wir uns vorstellten, schien der Boden hingegen äußerst vielversprechend: Wildpflanzen sindschließlich zumeist Magerköstler und kommen mit den überdüngten Böden unserer Zeit nur schlecht zurecht.
Nach einem gründlichen Frühjahrsputz setzten wir dann rund 80 Initialpflanzen in die Beete. Der erste Schritt war getan. Doch zunächst ergab sich ein Problem. Würden die städtischen Pflegetrupps unsere Wildpflanzenbeete wirklich als solche erkennen und sie nicht in der üblichen Manier radikal abmähen? Wir waren skeptisch und suchten nach einer Lösung, um die Beetbereiche auch optisch von den restlichen Flächen abzugrenzen. Schließlich hatten wir nur begrenzt Pflegekapazitäten, und konnten nicht alle Bereiche um die Kirche herum neu gestalten (auch wenn der Wunsch groß war). Die Lösung kam in Form einer Lieferung Stammstücke vom Nordfriedhof: Die Friedhofsverwaltung hatte uns freundlicherweise Holz überlassen, das bei der Friedhofspflege angefallen war. Die Idee: Schöne Stücke aus Eibe, Hainbuche, Haselnuss, Traubenkirsche und Kiefer sollten leicht in den Boden eingesenkt eine optische Barriere zur Umgebung formen. Totholz stellt einen bedeutenden Lebensraum für zahlreiche Kleintiere dar, und passt zudem wunderbar zu den Waldpflanzen, die wir für die schattigeren Bereiche ausgewählt hatten. In den kommenden Jahren können die Stammstücke langsam zu Humus werden, während sie unseren Wildpflanzenbeeten Kontur und Charakter verleihen.
Nachdem wir das Holz für die Beetabgrenzungen verbaut hatten, fehlte nur noch eine Komponente: Die Ansaaten! Wir wollten Vielfalt statt nur einiger weniger Pflanzenarten, wollten die ganze Palette (okay, ein kleiner Ausschnitt) heimischer Wilder zeigen, kurzum: lebendige Pflanzenbestände für ein lebendiges Stadtviertel. Darum kamen als krönender Abschluss mehrere Saatgutmischungen der trockenwarmen Säume und Laubwaldböden zur Anwendung, sowie eine ganze Reihe von Saatgut weiterer Einzelarten. Nach der Ansaat sahen die Beete zwar etwas zertrampelt aus (gutes Antreten sorgt für optimalen Bodenkontakt und schützt die Samen vor Austrocknung), waren aber mit dem Samen des Lebens beimpft. In der nächsten Regenperiode werden die Samen nach und nach auflaufen und die neuen Beete um St. Agnes bald mit Leben füllen. Wir warten mit Spannung und freuen uns auf blütenreiche Jahre.

Text: Volker Unterladstetter